Noah

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Noah

Beitragvon Oliver » Fr 11. Apr 2014, 21:04

Noah

Es grenzt beinahe an ein Wunder, dass Hollywood sich dieser epischen Geschichte aus dem Buch aller Bücher – der Bibel – noch nicht für einen eigenständigen Spielfilm bedient hat, obwohl die Geschichte der Arche Noah doch alle Merkmale eines monumentalen Blockbusters bereit hält. Da ist zum einen der Mann, der über sich hinauswachsen muss, und zum anderen die Zerstörung der Welt durch eine gigantische Überschwemmung. Darüber hinaus gibt es allerhand Konflikte, die genug Potenzial für die Dramaturgie eines eigenständigen Films böten, sodass die Geschichte nicht nur als Randnotiz in der großen John-Huston-Verfilmung Die Bibel auftauchen müsste.

Dass aber nun Regisseur Darren Aronofsky, der seine Karriere mit kleinen, hochintelligenten Filmen wie Pi oder Requiem for a Dream begann und zuletzt mit dem Psychogramm einer Balletttänzerin in Black Swan die Geschichte von Schwanensee paraphrasierte, nun einen Beitrag zum Weltuntergangskino unserer Tage beiträgt, verwundert. Noch mehr verwundert, dass es sich nach seiner eigenen Aussage um ein Wunschprojekt handelt, das er bereits seit Jahren verwirklichen wollte.

Denn auf den ersten Blick unterscheidet sich Noah mit seinen spektakulären Bildern, dem Einsatz von vielen CGI-Effekten und der einfachen Narrative nicht sehr vom Gros der aktuellen Unterhaltungsfilme wie beispielsweise eines Roland Emmerichs. Aber wenn man den visuellen Exzess einmal ausblendet, wird die Charakterstudie eines Mannes deutlich. Denn Aronofsky weicht von der Bibelgeschichte ab, erweitert sie und interpretiert sie neu, denn Noah ist bei weitem nicht der strahlende Held, der die Erde nur von den sündhaften Menschen befreien möchte. Viel mehr widmet er sich seinem Auftrag so obsessiv, sodass er Züge eines Fundamentalisten trägt und selbst seine eigene Familie nicht mehr sicher vor ihm ist. Dieser innere Zwiespalt zwischen dem Auftrag Gottes, dem Wohl seiner Familie und dem Kampf gegen die sündhaften Menschen wird trotz der massiven Statur Russell Crowes glaubwürdig von ihm verkörpert und mit seinem erneuten Ausflug ins historische Genre beinahe schon als Charlton Heston unserer Tage bezeichnet werden könnte.

Schlussendlich werden Aronofsky-Jünger enttäuscht aus dem Kino gehen, da die Opulenz den Inhalt übersteigt und Aronofsky nur wenige stilistisch interessante Visualisierungen verwendet (u.a. Bezug zum Schattentheater, Flickerflilm-Ästhetik). Alle anderen können sich auf einen aufwendigen Monumentalfilm freuen, der interessante Facetten der klassischen Geschichte offenbart und in Bezug auf Charakterentwicklung vielen Vertretern dieses Genres überlegen ist.
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Re: Noah

Beitragvon Niels » So 13. Apr 2014, 22:27

Agreed! Wobei ich als Aronofsky-Jünger zwar ein wenig überrascht, aber alles andere als enttäuscht aus dem Kino gegangen bin. Noah ist nunmal kein typischer Aronofsky, weder in der Form noch im Inhalt, aber er ist zumindest ein Blockbuster der gefällt. Ein Triumph, dass Aronofsky es geschafft hat seine Wunschvorstellung vom Film bei Paramount durchzubringen. Denn ganz und gar massenkompatibel ist er nicht.
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Re: Noah

Beitragvon Alex » Do 24. Apr 2014, 09:41

Habe ihn noch immer nicht gesehen. Die Trailer fand ich leider nur wenig anziehend.

Aronofskys Hang zu visuell opulenten Epen finde ich aber keineswegs verwunderlich. "The Fountain" weist bereits eindeutig in diese Richtung und wäre ja ursprünglich noch wesentlich größer und teurer gewesen. Letztendlich sehe ich die Zwangs-Reduktion in diesem Fall aber eher als Gewinn.
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